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	<title>Wahlfahrt09 &#187; Frauen</title>
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		<title>Mann &amp; Politik</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 14:40:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Daniel Stender</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neues]]></category>
		<category><![CDATA[Orte]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Magdeburg]]></category>

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		<description><![CDATA[MAGDEBURG. Der politisierende Mann ist ein treuer Begleiter der Wahlfahrt 09. Zwar ändert er mit dem jeweiligen Bundesland seinen Dialekt oder sein Aussehen, aber vom Wesen her bleibt er überall gleich. Ob in Fußgängerzonen, auf Marktplätzen oder Raststätten – immer ist der politisierende Mann bereit, den Zeigefinger aus der Hosentasche zu erheben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-3459" title="20090924_magdeburg" src="http://www.wahlfahrt09.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/09/20090924_magdeburg.jpg" alt="20090924_magdeburg" width="600" height="400" /><br />
<em><a href="http://www.wahlfahrt09.de/magdeburg">MAGDEBURG</a>. Der politisierende Mann ist ein treuer Begleiter der Wahlfahrt 09, zwar ändert er mit dem jeweiligen Bundesland seinen Dialekt oder sein Aussehen, aber vom Wesen her bleibt er überall gleich. Ob in Fußgängerzonen, auf Marktplätzen oder Raststätten – überall schlendert der politisierende Mann umher. Immer ist er bereit, den Zeigefinger aus der Hosentasche zu erheben, immer ist er empört, immer ist er beleidigt. Er ist mittleren Alters und eilt zielstrebig auf den Wagen der Wahlfahrt zu. Er grüßt, holt Luft und hört nicht mehr auf zu reden. Das Thema: „Politik“, der Tenor: „Alle korrupt, alles Abzocker.“</p>
<p>Nichts gegen diese Meinung an sich, aber warum sind es immer nur Männer, die zum politisierenden Schwadronieren neigen? Warum keine Frauen? Reden Männer über Politik, während Frauen besseres zu tun haben? Reden Frauen nicht über Politik und werden so Bundeskanzlerin?</p>
<p>An einem ganz normalen Wochentag haben wir daher eine Umfrage unter den Frauen Magdeburgs gemacht und sie gefragt, was ihre Themen bei der Bundestagswahl sind, wer ihre Interessen vertritt. Und warum Männer so gern über Politik reden.</em></p>
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<p><em>Audio-Umfrage unter Frauen aus Magdeburg (Daniel Stender), Impressionen der Stadt</em> <em>(Jörn Neumann)</p>
<p>Außerdem haben wir uns an eine Expertin auf diesem Gebiet gewandt und ein Interview mit der  Politikwissenschaftlerin Bettina Westle geführt. Sie lehrt und forscht an der Philipps-Universität Marburg, unter anderem über Geschlecht und politische Teilhabe.</p>
<p>Warum reden Männer immer so viel mehr und so viel lieber über Politik?</em></p>
<p>Männer werden immer noch anders sozialisiert – politiknäher. Es wird ihnen schon von der Erziehung her einfacher gemacht, sich so zu exponieren. Außerdem spielen auch die Lebensumstände eine Rolle, die bei Männern durch ihre Arbeit häufiger politiknah, bei Frauen im Fall von dominanter Familien- und Hausarbeit eher politikfern sind. Daher beteiligen sich Frauen im Durchschnitt weniger bei der klassischen Parteipolitik, auch weniger bei „harten“ Themen wie der Verteidigungs- und Wirtschaftspolitik. Stattdessen widmen sie sich eher „weichen“ Themen wie Bildung oder Familienpolitik. Aber beide Geschlechter interessieren sich stark für die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen.</p>
<p><em>Ist das nicht ernüchternd &#8211; nach 30 Jahren feministischer Politik?</em></p>
<p>Das sind mit Sicherheit nicht die Ziele, mit denen feministische Politik vor 30 Jahren angetreten ist. Wobei man nicht vergessen sollte, wie ernüchternd die Ausgangsbedingungen für feministische Politik vor 30 Jahren waren. Insofern hat sich schon etwas geändert. Besonders bei den Frauen &#8211; sie sind mehr in Männerdomänen vorgedrungen. Männer hingegen  eher nicht, häusliche Arbeit beispielsweise machen fast immer noch nur Frauen. Insgesamt aber ist die Situation durchlässiger als vor 30 Jahren.</p>
<p><em>Heißt das aber auch, dass der politisierende Mann, wie wir ihn auf der Wahlfahrt immer wieder an unserem Stand erlebt haben, eine aussterbende Art ist?</em></p>
<p>Ganz so schnell ändert sich eine Gesellschaft nicht. Außerdem kommt es auch auf die Gegend an, in der Sie sich gerade befinden. In einer Großstadt ist das sicher anders, wenn sie in Frankfurt am Main fragen, werden Sie andere Menschen treffen als in einer Kleinstadt.</p>
<p><em>Hat die Tatsache, dass eine Frau Bundeskanzlerin ist, einen Einfluss auf die Wahlentscheidung von Frauen?</em></p>
<p>Wir haben das für die letzte Bundestagswahl untersucht: Es gab damals schon Frauen, die überlegten, CDU zu wählen, um so eine Frau zur Kanzlerin zu machen. Aber für die Mehrheit standen die Sachthemen im Vordergrund. Wie das in diesem Jahr sein wird, ist natürlich spekulativ – aber wirklich Politik für feministisch orientierte Frauen hat die CDU nicht gemacht.</p>
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		<title>Die Start-Up-Migrantinnen</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Sep 2009 08:21:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lena Gürtler</dc:creator>
				<category><![CDATA[Geschichten]]></category>
		<category><![CDATA[Duisburg]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Integration]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[ESSEN/DUISBURG. Ihre Wurzeln sind in der Türkei, Polen oder dem Iran. In Deutschland sind sie erfolgreiche Unternehmerinnen. Viele Frauen mit Zuwanderungsgeschichte sind selbstständige Unternehmerinnen – richtig wahrgenommen wird ihr Erfolg kaum. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="imageblock" style="text-align: right;"><a href="http://www.wahlfahrt09.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/09/Duisburg_Brautmode-2.jpg"><img class="size-full wp-image-3013" title="Duisburg_Brautmode-2" src="http://www.wahlfahrt09.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/09/Duisburg_Brautmode-2.jpg" alt="Duisburg_Brautmode-2" width="600" height="400" /></a>Foto: <a href="http://www.milosdjuric.com" target="_blank">Milos Djuric</a></div>
<p><strong>ESSEN/<a href="http://www.wahlfahrt09.de/duisburg">DUISBURG</a>. </strong><em>Ihre Wurzeln sind in der Türkei, Polen oder dem Iran. In Deutschland sind sie erfolgreiche Unternehmerinnen. Viele Frauen mit Zuwanderungsgeschichte sind selbstständige Unternehmerinnen – richtig wahrgenommen wird ihr Erfolg kaum.</em><strong><br />
</strong><br />
Sie sind auf der Suche nach ihrem ganz eigenen Satz. In einem türkischen Restaurant in Essen sitzen 18 Frauen in einem Seminarraum, senken ihre Blicke auf kleine Zettel und hoffen, dass die Workshop-Leiterin sie nicht als Erste dran nimmt. &#8220;Reden. Begeistern. Überzeugen&#8221;, heißt das Seminar. Aufgabe eins: sein Unternehmen und sich selbst in einem Satz präsentieren. &#8220;Ich bin 43 Jahre, Mutter von zwei Kindern und Bilanzbuchhalterin&#8221;, sagt eine Frau. Sie ist zu spät gekommen, hat die Einführung verpasst. Und die Workshopleiterin korrigiert sie gleich:  &#8220;Wir vermarkten uns doch mit! Was interessiert es Ihre Geschäftspartner, wie viele Kinder Sie haben?&#8221; Die Frauen lachen. Sie tragen Absatzschuhe, Kostüme, weiße Blusen oder Hosenanzüge und machen nicht den Eindruck, als würden ihnen solche Anfängerfehler im Geschäftsalltag unterlaufen. Eine ist die erste türkische Steuerberaterin in Duisburg gewesen, eine andere ist Schuh- und Tascheneinkäuferin für eine deutschlandweit bekannte Kette, neben ihr sitzt eine Frau, die Unternehmen bei ihrer Expansion nach Rumänien berät.</p>
<p>Das Business-Netzwerk für Migrantinnen &#8220;Petek&#8221; organisiert den Workshop. Als acht Unternehmerinnen das Netzwerk 2005 gründeten, waren sie nach eigenen Angaben in Deutschland die ersten Migrantinnen, die mit einem eigenen Netzwerk auf ihren unternehmerischen Erfolg aufmerksam machen wollten. Und das, obwohl Migrantinnen öfter Unternehmen gründen als deutsche Frauen. Häufig gezwungenermaßen, denn sie sind auch öfter arbeitslos und haben Probleme mit der Anerkennung ihrer ausländischen Abschlüsse. Allein in Nordrhein-Westfalen gibt es  40.000 selbstständige Frauen mit Zuwanderungsgeschichte – wie es im Ministerium für Frauen- und Integration heißt. Dazu zählen auch die Töchter der Einwanderinnen. 17.000 dieser Unternehmerinnen haben einen deutschen Pass, doch als Wählerpotenzial scheinen deutsche Politiker die Frauen noch nicht entdeckt zu haben. &#8220;Bei mir hat sich während des Wahlkampfs kein Politiker gemeldet&#8221;, sagt Birnur Öztürk, die Vorsitzende von Petek. Wie die Anderen grübelt auch sie an diesem Abend über den perfekten Vorstellungssatz für ihr Vertriebsbüro.</p>
<p>Tülay Polat hat ihn schon gefunden: &#8220;Ich führe die Kommunikation Ihres Unternehmens ins digitale Zeitalter&#8221;, sagt sie ohne Zögern und Rotwerden. Mit ihrem Startup-Konzept für ein multikulturelles Anzeigenportal hat sie vor vier Jahren den ersten Preis eines Gründerwettbewerbs gewonnen. Doch an der Umsetzung ist sie gescheitert. &#8220;Damals wollte ich wie Ebay oder Amazon werden, jetzt hat es sich anders entwickelt, und das ist auch gut&#8221;, sagt Polat. Sie hat nicht aufgegeben. Inzwischen designt sie Onlineauftritte, bietet interkulturelles Marketing an. Wieder als selbstständige Unternehmerin. Ihre türkischen Wurzeln seien kein Hindernis für sie gewesen: &#8220;Gründerin ist Gründerin. Für Frauen ist das generell schwieriger als für Männer.&#8221; Letztlich sei es eine Frage des Bildungsniveaus. Wahrscheinlich aber auch eine Frage des Integrations-Levels: Die 37-jährige Polat hat zwar schwarze Haare und dunkle Augen, aber auch einen ausgeprägten fränkischen Akzent. Nach dem Abi in Hof hat sie BWL in Duisburg studiert.</p>
<p>Über den klassischen deutschen Bildungsweg in Richtung Selbständigkeit marschieren, diese Option haben ältere Migrantinnen nicht. Gül Alp ist 52 und Mitte der siebziger Jahre aus Anatolien nach Deutschland gekommen. Gerade sind die neusten spanischen Brautkleider in ihrem Laden in Duisburg-Marxloh eingetroffen. Gül sitzt zwischen ihrer Lieferung vollbehangener Kleiderstangen, nebenan berät eine Mitarbeiterin eine Frau beim Abendkleidkauf. Wer Brautkleider in Marxloh verkaufen will, hat starke Konkurrenz. Mindestens 33 Brautläden gebe es in der Umgebung, sagt Alp. Doch sie weiß sich durchzusetzen. In der Türkei wollte sie Lehrerin werden, in Deutschland war ihr Abschluss nichts mehr wert. Ihr Mann arbeitete als Dolmetscher am Gericht, und Gül Alp bekam vier Kinder. Neben der Kindererziehung arbeitete sie als Schneiderin. Dann zerbrach die Ehe.</p>
<p>Ohne die Scheidung wäre sie heute nicht selbstständig, sagt sie heute. So war sie gezwungen, selbst aktiv zu werden: Für ein Brautmodengeschäft nähte sie Brautkleider, änderte Kleider und übernahm schließlich von ihrem Chef den Laden. Jetzt finanziert sie ein neues Brautmodengeschäft für ihre Töchter in Düsseldorf und träumt von weiteren Geschäften in Berlin und München. Einen deutschen Pass hat Alp nicht: &#8220;Ich bin Ausländer, aber das deutsche Leben ist mir vertraut.&#8221; Stolz erzählt sie, dass ihre Töchter früher anderen Kindern Deutsch-Nachhilfe gaben. Die haben auch die deutsche Staatsangehörigkeit und wählen grün. Wenn sie dürfte, würde auch sie wählen. Ohne Stimmberechtigung ist sie für die wahlkämpfenden Parteien im Moment allerdings uninteressant. Immerhin, einmal wurden sie und andere Frauen aus Marxloh von einem Politiker zum Essen eingeladen. Das war vor der Bürgermeisterwahl in Duisburg. Gül Alp hat kurz überlegt, ob sie hingehen soll. Schließlich hieß der CDU-Bürgermeister, der sie einlud, Adolf mit Vornamen. Doch Adolf Sauerland hat es geschafft, sie von sich zu überzeugen und damit auch von seiner Partei. Und so geht der CDU bei der Bundestagswahl eine Stimme verloren, weil Gül Alp nicht wählen darf.</p>
<p>Auch Birnur Öztürk, die Vorsitzende von &#8220;Petek&#8221;, darf nicht wählen, denn sie will ihre türkische Staatsbürgerschaft nicht aufgeben. &#8220;Ich soll Steuern zahlen. Ich bin ein Vorbild. Unsere Unternehmen sind gut aufgestellt.&#8221; Öztürk ärgert sich, dass sie trotz allem nicht wählen darf. Sie hofft durch das Business-Netzwerk stärker nach außen deutlich zu machen: &#8220;Wir sind Migrantinnen, wir sind aber auch Geschäftsfrauen. Wir sind hier angekommen, und wir sind auch Vorbilder.&#8221; Tülay Polat sitzt neben Öztürk und nickt. Hinter ihnen räumen Kellnerinnen den Seminarraum auf. Ein paar Frauen stehen noch zusammen, reden, tauschen mit der Workshopleiterin Visitenkarten aus. Es ist schwierig, die Frauen zu einem solchen Abend zusammenzubekommen. &#8220;Migrantinnen sind nicht an solche Netzwerke gewöhnt.&#8221; Sie suchten eher im eigenen Umkreis und in der Familie nach Rat und Unterstützung. Nicht ohne Folgen: Auch wenn Ausländerinnen häufiger Unternehmen gründen als deutsche Frauen, sie sind doppelt so oft von Schließungen betroffen. Gerade mal ein Drittel der Frauen sucht in der Gründungsphase Beratung in öffentlichen Stellen.</p>
<p>An Beratung hat es Tülay Polat bei ihrem ersten Gründungsversuch nicht gefehlt. An Krediten hingegen schon, obwohl sie einen deutschen Pass hat. Wählen geht sie auch. Doch im Wahlkampf fühlt sie sich von den Parteien nicht angesprochen: &#8220;Ich bin schon froh, dass dieses Mal das Migrationsthema nicht wieder aus der Schublade geholt wird.&#8221; Mehr Aufklärung und Zwischentöne wünscht sie sich, wenn es um Einwanderer geht: &#8220;Nicht jede angebahnte Ehe ist eine Zwangsheirat.&#8221; Durch das Netzwerk, so hoffen Polat und Öztürk, könnten sie stärker meinungsbildend wirken. Schließlich seien sie alle Positivbeispiele für gelungene Migration. So wie Gül Alp, die es allerdings erst ein einziges Mal zu einem der Business-Frühstücke von &#8220;Petek&#8221; geschafft hat. Sie ist einfach zu beschäftigt mit ihrem Hochzeitsgeschäft. Und die Arbeit zahlt sich aus. Traditionell zahlt der Schwiegervater für türkische Mädchen die Hochzeit, das Kleid und den Goldschmuck. Für die zukünftigen Frauen ihrer Söhne hat Gül Alp schon einen Tresor voller Goldschmuck gesammelt – und auch ihre Töchter kann sie bei der Hochzeit reich beschenken.</p>
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