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“Die Bundeswehr muss in Afghanistan härter durchgreifen”

06.09.2009 15:21, Lu Yen Roloff
Wiesbaden_Amadeus_Wozniak

[Foto: Milos Djuric]

WIESBADEN. Der Skatertyp will bestimmt über die Grünen reden, dachte das Team der Wahlfahrt09 in Wiesbaden. Doch der 22-jährige forderte statt dessen eine härtere Hand der Bundeswehr in Afghanistan – aus eigener schmerzvoller Erfahrung. Amadeus Wozniak (22) ist momentan Metallbauer-Azubi, davor war er als Soldat in Afghanistan.

“Kann ich auch über Afghanistan reden? Ich will wieder zur Bundeswehr und meine Kameraden rächen, die in Afghanistan verreckt sind. Das war in Kundus die Aktion, wo zwei Fallschirmjäger aus dem siebten Fallschirmjägerbataillon umgekommen sind. Das waren gute Freunde, und ich war Augenzeuge, wie sich ein Typ 26 Meter von mir in die Luft gejagt hat. Dabei sind die Beiden gestorben und auch noch fünf afghanische Kinder.

Die Zivilbevölkerung muss besser kontrolliert werden, die Bundeswehr und generell die NATO müsste einfach mehr durchgreifen. Zum Beispiel stichprobenweise in die Häuser reingehen, auf Waffen und Sprengsätze kontrollieren, verdächtige Personen kontrollieren. Die Bundeswehr bräuchte mehr Freiheiten. Wir dürfen ja nicht offensiv vorrücken, nur defensiv handeln, und die Bundeswehr bekommt nur Befehle von der NATO, aber nicht vom Verteidigungsminister oder der Merkel. Und die Nato untersteht ja auch nur Amerika. Die erpressen uns, das kann man nicht mehr Bündnis nennen, sondern man müsste ‘Zwangseinsatz’ dazu sagen. Die Bundeswehr-Soldaten halten wenig von den Amis. Immer wenn man mit den Amis rausfährt, gibt’s Ärger, dann geht zwei Stunden später das Geballer los. Die Amis wollten, dass wir auch im Irak dabei sind. Da hat Merkel noch nein gesagt, das war ne gute Handlung. Sonst wären noch mehr junge Menschen draufgegangen. Aber jetzt…

Das da unten kann man nicht als Krieg bezeichnen. Statt dessen lassen die Politiker dort unnötig Leben draufgehen. Das finde ich ziemlich ätzend. Das ist so eine Art Guerilla-Krieg, ein Versteckspiel, das die Taliban da machen. Die Afghanen an sich sind das nicht, aber die Taliban. Meine Meinung ist, entweder ziehen wir da unsere Truppen zurück, weil wir die hier auch gut gebrauchen können, die Bundeswehr übernimmt ja immer mehr zivile Aufgaben, z.B. im Katastrophenschutz. Oder man setzt sich durch. Offensives Voranrücken und die Kontrollen, die ich erwähnt habe. Ich bin eigentlich nicht so ein Kriegsfan, aber wenn es sein muss, muss es sein.

Die Politik heute ist wie vor 70 Jahren: Wir haben eine Wirtschaftskrise und das Beste, was man machen kann, ist zum Militär gehen. Ich werde mich bis zur Rente verpflichten. Erstens ist es schwer Arbeit zu finden, zweitens ist das die sicherste Art und Weise, Lohn zu kriegen, später bekommt man dann auch den Beamtenstatus, Steuern und Rechnungen werden zum Teil von der Bundeswehr bezahlt. Die Bundeswehr ist halt vielfältig, da kann man das Studium nachholen. Dann hab ich in dreieinhalb Jahren wieder kurze Haare.

Die Politik denkt nicht darüber nach, was mit unseren Arbeitsplätzen ist oder unserer Rente, wir kriegen wahrscheinlich auch keine Rente mehr, so wie es jetzt aussieht. Ich werde die SPD wählen. Das ist das Beste, was wir zur Zeit kriegen können. Die setzt sich fürs Fußvolk ein, also die Handwerker, Mechatroniker, alles was mit Metall zu tun hat. Die setzen sich für uns Arbeiter wenigstens ein. CDU und FDP setzen sich ja mehr für die Reichen ein.”

 

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