„Man muss Hoffnungen in die Parteien setzen“
12.09.2009 21:56, Lena BrochhagenOSNABRÜCK. Früher Samstagabend, die Fußgängerzone ist voll. Passanten müssen Slalom zwischen Biertischen und Pappkartons laufen, denn die Osnabrücker bereiten den Nachtflohmarkt vor, der hier zwei Mal im Jahr stattfindet. Auch Rita Kalmey wird mit einer Freundin alte Dinge verkaufen – vorher diskutiert sie mit wahlfahrt09.de über Politik.
“Ich heiße Rita Kalmey und bin 60 Jahre alt. Was ich mir von der Politik wünsche? Ich wünsche mir, dass der Krieg in Afghanistan aufhört. Und dass wir auch an anderen Orten keine Kriege mehr haben. Das ist vielleicht unrealistisch, aber das wünsche ich mir. Wie der Abzug aus Afghanistan funktionieren soll, kann ich spontan auch nicht genau sagen – am liebsten wäre mir, wir wären gar nicht da. Es ändert sich ja doch nichts, die Leute sterben und die Lage bleibt schlecht.
Ein weiteres Thema ist der Umweltschutz. Es bringt doch nichts, mit der Umweltzone alte Autos aus der Stadt zu verbannen, wenn gleichzeitig die Industrie weiter Abgase in die Luft pufft – mit der Umweltzone schadet man nur den Leuten, die sich kein neues Auto leisten können.
Die Parteien sollten außerdem mehr für die Sicherung der Arbeitsplätze tun, gerade für Ältere. Die Leute sollten nicht schon mit 50 zum alten Eisen gehören, sondern wie vorgesehen bis 65 arbeiten. Dazu sind bestimmt viele Ältere auch bereit, Verantwortung abzugeben und etwas weniger Lohn zu bekommen – so hätte man einen Übergang zur Rente, die Älteren wären nicht gleich weg vom Fenster und Jüngere könnten nachrücken
Von der großen Koalition bin ich ein bisschen enttäuscht. Zwar hat uns Angela Merkel gut vertreten, auch im Ausland. Aber die Koalition von CDU und SPD hat nicht so gut funktioniert, das war für mich Stillstand. Wählen gehe ich aber trotzdem, auf jeden Fall. Man muss Hoffnungen in die Parteien setzen, gar nicht wählen ist auch keine Lösung.
Ich wähle wahrscheinlich die SPD – da ist noch eine Treue aus der Kindheit, die Familie hat immer SPD gewählt, das prägt mich. Außerdem fühle ich mich bei der SPD aufgehoben – die tun mehr zum Erhalt der Arbeitsplätze, etwa beim Kündigungsschutz. Ich muss aber auch die anderen Parteien akzeptieren, etwa die Linke. Nur die Rechtsradikalen, die kann ich nicht akzeptieren.“
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